Igel gefunden – was nun?

Prinzipiell gilt: Igel sind Wildtiere. In der Regel kommen sie sehr gut alleine zurecht – auch im Winter. Sie fressen sich im Herbst ein Polster an und suchen sich dann einen Platz, an dem sie ihren Winterschlaf halten können. Sobald die Temperaturen unter sechs Grad fallen, fangen Igel an zu gähnen und schlafen ein – im Normalfall bis zum nächsten Frühling. Winterschlaf bedeutet, der Stoffwechsel fällt ab und verbraucht so wenig Energie, dass das Polster bis zum nächsten Frühjahr hält.

Wenn Sie einen Igel im Winter herumlaufen sehen, heißt das nicht automatisch, dass er Hilfe braucht. Oft werden Igel zum Beispiel aus dem Winterschlaf geholt, wenn allzu eifrige Gartenbesitzer auch noch den letzten Blätter- oder Reisighaufen in ihrem Garten entfernen. Dann heißt es für den aufgeschreckten Igel, dass er sich schleunigst ein neues Nest suchen muss. Das gelingt allerdings in den meisten Fällen auch ziemlich schnell. Manchmal jedoch geraten die stacheligen Gesellen in Not.

 

Welche Tiere brauchen Hilfe?

- Jungtiere, die sich noch nicht genügend Fettpölsterchen angefuttert haben, wandern auch noch bei niedrigen Temperaturen durch die Gegend und suchen nach Futter. Das Mindestgewicht bei Igeln liegt bei 600 bis 700 Gramm. Alles darunter ist zu wenig, um den Winter zu überstehen.

- Alte und kranke Tiere, die auch im Winter tagsüber auf Futtersuche sind.

- Verletzte Igel: Wenn ein Igel in der Nähe einer großen Straße gesichtet wird, dann sollte man genau nachschauen, ob er nicht verletzt ist. Dann braucht er möglicherweise dringend Hilfe.

- Verwaiste Igelbabys: Wenn Sie Igelkinder außerhalb eines Nestes finden, die die Augen und Ohren noch geschlossen haben, dann kann es sich um verwaiste Igelchen handeln. Achtung: Bitte auf keinen Fall sofort anfassen, sonst besteht die Gefahr, dass die Mutter sie nicht mehr annimmt, falls sie nur kurz weg war. Beobachten Sie lieber einige Zeit, ob sich die Mutter zeigt. Wenn nicht, dann brauchen die Kleinen allerdings dringend Hilfe.

 
Achtung: Igel gehören zu einer besonders geschützten Art. Deshalb ist es prinzipiell verboten, sie aus der Natur zu entnehmen. Erlaubt ist es hingegen, hilfsbedürftige Igel sachgemäß aufzuziehen oder gesund zu pflegen. Sobald die Igel kräftig und gesund genug sind, müssen sie aber auf jeden Fall wieder ausgewildert werden.

 

Was tun, wenn ich einen Igel gefunden habe?

Zunächst: Warmhalten! Zuallererst muss das Tier seine normale Körpertemperatur wieder erlangen. Diese liegt bei ca. 36 Grad. Erst dann macht eine Behandlung Sinn.

Diese sollte allerdings immer dem Profi überlassen werden. Deshalb: Wenn Sie einen Igel gefunden haben, bitte wenden sich sich unverzüglich an einen Tierarzt, eine Igelstation oder an Organisationen wie dem Sternenhof.

 

Notunterkunft

Manchmal jedoch ist es nicht möglich, sofort eine professionelle Stelle aufzusuchen. Was tun, wenn der Igel eine Nacht im Haus untergebracht werden muss?

Richten Sie dem Igel eine Kiste her. Die Seitenwände müssen mindestens 45 bis 50 Zentimeter hoch sein und es muss absolut ausbruchsicher sein. Man sollte es nicht meinen, aber Igel sind ausgezeichnete Kletterer und sie nagen auch Kartons durch. Für den Boden der Kiste eignen sich mehrere Lagen Zeitungspapier. Streu oder Sägespäne eignen sich nicht, da sich diese in den Stacheln verfangen und die Augen reizen.

Zudem sollte sich ein Schlafhäuschen in der Kiste befinden, damit sich der Igel verstecken kann. Hier eignet sich ein Karton mit einem Schlupfloch an der Seite (ca. 10x10cm). Das Häuschen kann mit zerknülltem Zeitungspapier gefüllt werden. Auch hier bitte keine Sägespäne oder Einstreu verwenden.

Achtung:
Lassen Sie den Igel nie frei in der Wohnung herumlaufen. Die Tierchen suchen sich sofort eine dunkle Ecke, zum Beispiel hinter dem Schrank, aus der sie oft nicht mehr rückwärts herauskommen, da die Stacheln sich beim Rückwärtsgehen abspreizen.

 

Futter

Für den Übergang – bis Sie den Igel in die Igelstation gebracht haben - eignet sich Hunde- oder Katzenfutter, vermischt mit Haferflocken. Allerdings: Wenn Sie Igelbabys gefunden haben, dann sollten sie davon absehen. Für diese gibt es spezielles Futter.

Geeignetes Igelfutter:
Katzen- oder Hundedosenfutter
Eier (hartgekocht oder als Rührei)
Geflügelfleisch (gekocht)
Hackfleisch (kurz anbraten, so dass es gar ist)
Gemischt mit:
Weizenkleie
Haferflocken
Igeltrockenfutter
 
Das vertragen Igel ÜBERHAUPT NICHT:
Obst: Äpfel, Birnen...
Gemüse: Salat, Möhren...
Milchprodukte: Käse, Quark, Joghurt...
Nüsse, Rosinen
Brei für Menschenkinder

Igel können keine pflanzliche Nahrung verdauen. Wird ein Igel nur mit Obst und Gemüse ernährt, dann muss er verhungern.

 

Getränke

Igel trinken ausschließlich klares Wasser. Sie vertragen KEINE Milch!!!!! Der Milchzucker verursacht Durchfall – unangenehm bis tödlich.

 

Was dann?

Sobald Sie einen Profi zu Rate ziehen können, sollten sie das tun. Bei der Aufzucht und der Pflege von Igeln gibt es viel zu beachten. Auf der Seite des Vereins Pro Igel e. V.   finden Sie ausführliche Informationen, Kontaktadressen und Informationsbroschüren dazu. Denn Igel, die nicht sachgerecht gepflegt werden, leiden sehr – auch, wenn es gut gemeint ist. Ein Winterschlaf in menschlicher Umgebung ist für die Igel eine Ausnahmesituation und darf nur vorübergehend sein. Vor allem gilt es, den Igel sobald wie möglich wieder in die Freiheit zu entlassen.

Für weitere Informationen: Pro Igel e. V.